Herr Berberich beim Vortrag

12.06.2026

LRS – Das unbekannte Wesen

Der Referent, Herr Robert Berberich aus Bamberg, überzeugte sowohl durch seine jahrelange Erfahrung und höchste Kompetenz zu diesem Thema als auch durch eine gut durchstrukturierte und anekdotisch angereicherte Vortragsweise.
Über einen geschichtlichen Einstieg mit der Fragestellung „Wer hat’s erfunden?“, kam er rasch zu den unterschiedlichen Erklärungsansätzen: In der Medizin ist die Lese-Rechtschreibstörung (Legasthenie) eine schwere neurologisch bedingte Entwicklungsstörung, die durch übende Verfahren nicht ursächlich zu heilen ist. Seit 2016 wird in der Bayerischen Schulordnung das gesamte Problemfeld einheitlich als Lese- und Rechtschreibstörung (LRS) bezeichnet, wenn eine besonders schwere Abweichung von den schulischen Anforderungen in diesen Bereichen von von Schulpsychologen festgestellt wurde.
In der Schule bekommt ein Kind mit LRS bestenfalls eine individuelle Unterstützung im Rahmen des Klassenverbundes. Sollte dies nicht zum gewünschten Erfolg führen, kann ein Nachteilsausgleich gewährt werden. Dies kann zum Beispiel eine Zeitverlängerung bei schulischen Aufgabenstellungen oder der Einsatz technischer Hilfsmittel sein, um die geforderten Leistungen zu erbringen. In gravierenden Fällen kann ein Notenschutz gewährt werden, dadurch bekommt ein betroffenes Kind bei Prüfungen keine Note in den Bereichen Lesen und Rechtschreibung, aber einen entsprechenden Vermerk im Zeugnis.
Herr Berberich ging auch auf die schwierige Lage der Eltern ein, die sich um eine bestmögliche Förderung für ihr Kind bemühen und dabei auf unterschiedliche Probleme stoßen. Diagnosehilfen und Ratgeber aus dem Internet sind hier keine Hilfe, die Anwesenden konnten dazu einige Beispiele ansehen.
Ganz wesentlich ist auch die Frage: Warum ist die LRS eine Erscheinung, die erst seit dem Ende des vorigen Jahrhunderts auftaucht und was macht diese Diagnose mit den Kindern, die ständige Misserfolge in der Schule erleben müssen. Erwarten wir zu viel von unseren Schülerinnen und Schülern? Ist eine Note „drei“ im Zeugnis nicht mehr „gut“ genug? Werden zu viele gute und sehr gute Noten vergeben/ erwartet? Sind es gar die Kinder selbst, die diesen Notendruck aufbauen? Oder ist es ein Definitionsproblem? Herr Berberich verdeutlichte dies an der Gauß’schen Kuve der Normalverteilung.

Den Abschluss der zweistündigen Fortbildungsveranstaltung bildeten konkrete Hinweise für die Lesestunden sowie ein Handout mit Tipps, Materialien und kostenlosen Quellen für den Umgang mit leseschwachen Kindern und vor allem die ermutigende Aussage: Mit der ehrenamtlichen Arbeit als Leselernhelfer:in wird den betroffenen Kindern wirklich geholfen.

Unser großer Dank geht an Herrn Berberich für den spannenden, informativen und für unsere Arbeit wichtigen Vortrag. Ferner danken wir Frau Scheblein für die Bereitstellung des Sitzungssaales im Landratsamt und die wie immer großzügige Bewirtung.

Birgit von Hirschhausen